Sprung zur TabelleSprung zum MenüSprung zur SucheHotkey Referenz Online-Datenbank der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft "Adler", Wien
Anzeige von 376 - 380 aus 11858

Peter Prokop: Die Tagebücher des Joseph Carl Rosenbaum (ÖNB SN 194- 204) - eine Arbeitstransskription.


Die nachstehende Arbeitstransskription der in der Österreichischen Nationalbibliothek (Sammlung von Handschriften und Alten Drucken) in 11 Manuskriptbänden aufbewahrten Tagebücher des gräflich Esterházyschen Sekretärs Joseph Carl Rosenbaum (1757-1829) wurde vom Autor ursprünglich für private Zwecke als Findhilfe für architekturgeschichtliche Recherchen angefertigt, um das digitale Auffinden von Personen und Zusammenhängen zu erleichtern, die im Zusammenhang mit der Arbeit am „Architektenlexikon Wien 1770-1945“ relevant wurden.


Es handelt sich demnach lediglich um eine Findhilfe, keineswegs aber um eine wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Edition. Diesem Primärzweck entsprechend, weicht die Transskription vom Originaltext in folgenden Details ab:


  • Rosenbaums biedermeierliche Schreibweise wurde modernisiert, seine Syntax jedoch weitgehend beibehalten; seine nicht immer eindeutige Interpunktation (mittels Bindestrichen) jedoch durch die heute gebräuchliche ersetzt.
  • Innerhalb der einzelnen Tageseintragungen wurden die gelegentlich vorkommenden Wiederholungen ein und desselben Sachverhaltes zusammengezogen.
  • Die von Rosenbaum ausgeschriebenen Wochentagsnamen wurden weggelassen, da mit dem Datum des jeweiligen Tageseintrags redundant. Dieses wurde im Format Jahr / Monat / Tag wiedergegeben. Die Bezeichnungen von Feiertagen wurden beibehalten.
  • Die ab etwa 1816 stereotyp wiederkehrenden Notizen zum täglichen Wetter und zum jeweiligen Programm der Hoftheater und des Theaters an der Wien wurden an den Beginn des jeweiligen Tageseintrages gerückt.
  • Bei Personennamen, deren Schreibweise bei Rosenbaum nicht selten variiert, wurde eine einheitliche und möglichst dokumentarisch belegte Schreibweise angewendet.
  • Fragliche Lesungen von Personen-, Ortsnamen u. dgl. wurden durch nachgestellte Fragezeichen (?) gekennzeichnet, Rosenbaumsche Abkürzungen entweder ausgeschrieben oder ihre wahrscheinliche Ergänzung in eckige Klammern gesetzt.


Abgesehen davon wurde auf möglichste inhaltliche Vollständigkeit der Textwiedergabe geachtet. Kleinere Auslassungen und Tippfehler sind bei einer manuellen Eingabe von rund 9 Millionen Zeichen trotz aller Sorgfalt nicht ganz auszuschließen. Wem aber mit der raschen Auffindbarkeit von Personen, Orten, Sachbegriffen etc. gedient ist, ist eingeladen, sich dieser Ressource zu bedienen.


Der Autor ersucht lediglich um Einhaltung der üblichen Zitierungsusancen (siehe obenstehender Titel oder abgekürzt, z B. in Fußnoten TBR + Datum des zitierten Eintrages, bzw. bei Einträgen ohne Datum mit Band und pagina).


() Peter Prokop, Wien, im Februar 2016

Lfd Nr Jahr Monat Tag Eintrag Namen Referenz
376 1798 AUG 18 Früh kamen Walther und Packh, dann erhielt ich Briefe von Therese, der Mutter und Klimbke, welche mich alle herzlich freuten. Ich arbeitete zusammen, welches ich mir vornahm, schrieb dem v. Kárner nach Preßburg und schickte ihm seine Pfeife; schrieb dem Ignaz und schloss ihm 20 fl. für Holz ein. Schrieb der Mutter, Theresen und Klimbke, legte ihm 50 fl. bei. Verbrachte so den Tag recht vergnügt; abends gingen Kutschersfeld, Walther und ich im Garten spazieren. Dann besuchte ich meine Mutter, soupierte und trollte mich dann ins Bett. Band 01 (I.), Seite 50r
377 1798 AUG 19 Ein angenehmer Morgen. Ich schlief recht gut, stand um 6 h auf und fand, dass mein Auge schlimmer sei. Ich arbeitete und ging dann zum Fürsten unterschreiben. Den ganzen Tag blieb ich zu Hause; abends war Walther bei mir und schrieb seiner Elise. Abends ging ich mit Walther im Garten spazieren, da begegnete uns die Fürstin und fragte, ob wir in die Casin (?) gingen. Wir versicherten ja, da engagierte sich Walther gleich mit der Bertier zum Deutsch tanzen. Nach 8 h ging ich mich umkleiden, fuhr zu meiner Schwester, zum Fehlmayer und mit selben auf den Ball. Die Gesellschaft bestand aus etlichen 30 Personen und war ziemlich gewählt. Ich unterhielt mich mittelmäßig; blieb aber den Damen zu Liebe bis ½ 3 h. Legte mich schlafen, schlief aber sehr schlecht; mein Auge verschlimmert sich und so war ich im höchsten Grad missmutig. Band 01 (I.), Seite 50r
378 1798 AUG 20 Verdrießlich stand ich um 8 h auf und ging zum Grafen, konnte aber wegen einer Menge von Menschen nicht sprechen. Walther schrieb bei mir und ich vollendete Theresens Brief mit der Ballgeschichte. Nach 11 h kam der Gönner kam in den Stall. Ich begleitete ihn dann bis ins Schloss und in den Garten und erfuhr von ihm, dass er mit Therese und der Mutter beim Quarin zusammen kam. Ich trug mich zur Verfertigung seiner Rechnungen an, welches er annahm und auch übrigens mit mir sehr gütig sprach. Mittags aßen Kutschersfeld und ich zusammen; nach Tisch blieb ich zu Hause und arbeitete. Abends besuchte ich meine Mutter; dann erwarteten Kutschersfeld und ich den Fürsten, welcher um 9 h von Pottendorf kam und um 11 h wieder nach Ozora reiste. Theresens Mutter schickte ich Obst und eine Melone und übergab alles dem Kutschersfeld, welcher um 11 h nach Wien reiste. Band 01 (I.), Seite 50r
379 1798 AUG 21 Ein schöner kühler Morgen. Mit dem Gedanken an Therese erwachte ich; ob sie wohl schon meinen Brief hat ? Am Tage blieb ich zu Hause, schrieb an Therese und schickte ihr Mandelbäckerei. Abends fuhr ich wegen Pferdebestellung nach Großhöflein, fand im Zurückfahren bei der Säule Zehetner und Tochter, Packh, Frau, und Elsler; wir jausneten zusammen und fuhren um 8 h nach Hause. Ich ging wegen der Wiener Reise zum Hofmeister, dann zu Geyersperg, wo ich schöne Pfirsiche erhielt. Ich ließ gleich um eine Schachtel umsehen, packte selbe ein und schrieb noch nach 10 h an Therese, beantwortete auch gleich das Briefchen, welches ich kurz vorher erhielt. Erst um 11 h kam ich ins Bett und schlief sehr gut. Band 01 (I.), Seite 50r
380 1798 AUG 22 Früh um 4 h weckte mich Großmann (?), Elsler fuhr mit ihm nach Wien. Ich übergab ihm beide Briefe und die Schachtel. Um 6 h fuhr die Fürstin. Dann arbeitete ich den ganzen Tag; mittags aß ich bei meiner Mutter. Mir war nicht ganz wohl; ich hatte große Hitze und sanguinierte, dies machte mich etwas bange. Ich legte mich auf’s Bett und schlief eine Stunde, als mich Stocklass und Friedrich weckten. Ich stand auf und befand mich besser. Friedrich und ich vollendeten das Uhrgeschäft, ich gab ihm mein schwarzes Uhrband samt goldenem Stöckl und Schlüssel samt 6 Dukaten darauf. Die Uhr ist mir darum angenehm, weil sie von meiner Mutter Bruder verfertigt ist. Nach Mittag um 5 h fuhren meine Mutter, Schwester, Fehlmayer und Frau, Jeanette, Stocklass, Boitel, Giáy und ich in 3 Wägen in den Tiergarten, stiegen aus, spazierten bei der Kaskade herum, jausneten und fuhren erst spät nach Hause. Abends besuchte ich Fehlmayer, dann Röckl; mit diesem sprach ich und beschloss morgen früh eine Öffnung der Ader. Band 01 (I.), Seite 50r
Copyright © 2021 Heraldisch-Genealogische Gesellschaft "ADLER", Wien. All Rights Reserved. Austria-1095 Wien, Postfach 7, Universitätsstraße 6/9b