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Peter Prokop: Die Tagebücher des Joseph Carl Rosenbaum (ÖNB SN 194- 204) - eine Arbeitstransskription.


Die nachstehende Arbeitstransskription der in der Österreichischen Nationalbibliothek (Sammlung von Handschriften und Alten Drucken) in 11 Manuskriptbänden aufbewahrten Tagebücher des gräflich Esterházyschen Sekretärs Joseph Carl Rosenbaum (1757-1829) wurde vom Autor ursprünglich für private Zwecke als Findhilfe für architekturgeschichtliche Recherchen angefertigt, um das digitale Auffinden von Personen und Zusammenhängen zu erleichtern, die im Zusammenhang mit der Arbeit am „Architektenlexikon Wien 1770-1945“ relevant wurden.


Es handelt sich demnach lediglich um eine Findhilfe, keineswegs aber um eine wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Edition. Diesem Primärzweck entsprechend, weicht die Transskription vom Originaltext in folgenden Details ab:


  • Rosenbaums biedermeierliche Schreibweise wurde modernisiert, seine Syntax jedoch weitgehend beibehalten; seine nicht immer eindeutige Interpunktation (mittels Bindestrichen) jedoch durch die heute gebräuchliche ersetzt.
  • Innerhalb der einzelnen Tageseintragungen wurden die gelegentlich vorkommenden Wiederholungen ein und desselben Sachverhaltes zusammengezogen.
  • Die von Rosenbaum ausgeschriebenen Wochentagsnamen wurden weggelassen, da mit dem Datum des jeweiligen Tageseintrags redundant. Dieses wurde im Format Jahr / Monat / Tag wiedergegeben. Die Bezeichnungen von Feiertagen wurden beibehalten.
  • Die ab etwa 1816 stereotyp wiederkehrenden Notizen zum täglichen Wetter und zum jeweiligen Programm der Hoftheater und des Theaters an der Wien wurden an den Beginn des jeweiligen Tageseintrages gerückt.
  • Bei Personennamen, deren Schreibweise bei Rosenbaum nicht selten variiert, wurde eine einheitliche und möglichst dokumentarisch belegte Schreibweise angewendet.
  • Fragliche Lesungen von Personen-, Ortsnamen u. dgl. wurden durch nachgestellte Fragezeichen (?) gekennzeichnet, Rosenbaumsche Abkürzungen entweder ausgeschrieben oder ihre wahrscheinliche Ergänzung in eckige Klammern gesetzt.


Abgesehen davon wurde auf möglichste inhaltliche Vollständigkeit der Textwiedergabe geachtet. Kleinere Auslassungen und Tippfehler sind bei einer manuellen Eingabe von rund 9 Millionen Zeichen trotz aller Sorgfalt nicht ganz auszuschließen. Wem aber mit der raschen Auffindbarkeit von Personen, Orten, Sachbegriffen etc. gedient ist, ist eingeladen, sich dieser Ressource zu bedienen.


Der Autor ersucht lediglich um Einhaltung der üblichen Zitierungsusancen (siehe obenstehender Titel oder abgekürzt, z B. in Fußnoten TBR + Datum des zitierten Eintrages, bzw. bei Einträgen ohne Datum mit Band und pagina).


() Peter Prokop, Wien, im Februar 2016

Lfd Nr Jahr Monat Tag Eintrag Namen Referenz
366 1798 AUG 8 Ein trüber Morgen. Spät kam der Friseur und so versäumte ich, den Grafen allein zu treffen, welches mich sehr ärgerte; doch ein Brief Theresens von Schottwien besänftigte mich. Um 9 h ging ich wieder zum Grafen, sprach mit ihm. Er war sehr galant, ich wurde aber gleich durch Kandler (?) unterbrochen. Später schrieb ich Therese nach Schottwien. Mittags aßen Kutschersfeld und ich zusammen und selber fuhr nach Tische nach Wien. Nach Mittag um ½ 5 h fuhren der Graf und Fürst nach Wien. Später ging ich in den Raberischen Garten, wo Hoffmann sein Bruder zu einem Fest ein Jausen gab und blieb bis ½ 7 h, wo der Mathias mit den Rappeln kam. Ich fuhr mit Praetor, Frankl (?) und Wolf, welche meiner unter dem Spital warteten, nach St. Georgen. Um 8 h ging ich wieder zur Gesellschaft in den Garten, blieb bis ½ 10 h und trollte mich dann ins Bett. Heute war ein stiller, angenehmer Abend. Band 01 (I.), Seite 48v
367 1798 AUG 9 Früh um ½ 8 h ging ich zum Stessel frühstücken, erhielt von ihm mehrere Bücher und kam um ½ 9 h nach Hause, arbeitete ein Weilchen, dann kam Walther. Mit diesem las ich eine Stunde. Dann Sekretär Burgerth, Elsler von Wien und Croll (?); diese hielten mich vom Arbeiten ab. Mittags aß ich zu Hause und nach Tisch arbeitete ich sehr fleißig. Abends besuchte ich Walther und Packh, nach 8 h ging ich zu meiner Mutter, soupierte etwas; dann begleitete sie mich in meine Wohnung und um ½ 10 h legte ich mich schlafen. Band 01 (I.), Seite 49r
368 1798 AUG 10 Um 6 h stand ich auf, arbeitete etwas und ging später zum Fürsten unterschreiben. Dann arbeitete ich den ganzen Tag; übrigens lebte ich gewöhnlich und still fort. Mittags aß ich bei der Mutter, abends besuchte ich sie auch. Dann kam Röckl, rauchten eine Pfeife Tabak, und schlenderten zusammen auf dem Platz herum. Band 01 (I.), Seite 49r
369 1798 AUG 11 Ein stiller angenehmer Morgen. Früh ging ich zu den Handwerkern, dann arbeitete ich den ganzen Tag zu Hause. Mittags aß ich bei der Mutter; erhielt unter Tags Besuche von Walther und Friedrich. Therese schrieb mir von Schottwien einen beleidigenden Brief. Kutschersfeld kam mittags nach, ich war schon bei der Mutter beim Essen. Nach Tisch schrieb ich Theresen und nahm den Brief abends selbst mit nach Großhöflein. Kutschersfeld, Walther und ich fuhren zu Artner, da kamen nach und nach Paur, Boge (?), Tarnóczy, Lichtscheindl und Marton, wir schwätzten, aßen Würstl und Gurkensalat, und fuhren alle zusammen auf einer Wurst spazieren und nach Hause. Abends 8 h kam der Gönner an, welches mich sehr freute. Ich blieb bis 10 h bei Kutschersfeld, ging um mein Dekokt, ins Bett und gleich schlafen. Band 01 (I.), Seite 49r
370 1798 AUG 12 Windig und doch sehr warm. Früh um 7 h ging ich zum Gönner, führte den Packh hinein, und als er selber heraus kam, machte ich ihm meine Aufwartung und blieb länger als eine Stunde bei ihm. Er war sehr gütig und ich ging wieder ganz getröstet von ihm. Um 10 h gingen ich und Röckl in die Bergkirche, wo das Amt von Haydn mit dem mir so angenehmen „Dona nobis“ gemacht wurde. Fürst Dominik Kaunitz kam an und war auch in der Kirche. Vor Tisch war ich auch bei Packh, da kamen Csekonics und Elsler, gingen aber gleich wieder. Mittags aßen Kutschersfeld, Walther und ich zusammen, nach Mittag war ich stets zu Hause. Friedrich, Walther und meine Mutter besuchten mich. Mit Friedrich wollte ich ein Uhrnegoz (?) machen, welches aber nicht gelang. Abends gingen Kutschersfeld, Walther und ich ein Weilchen im Garten spazieren; abends war ich zu Hause. Band 01 (I.), Seite 49r
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