Regen. Im Kärntnertor-Theater „Correggio“, die Loge der Reimann; im Theater an der Wien „Diebische Elster“. Den Vormittag beim Grafen, mittags allein zu Hause mit Högler. Nach Mittag bei Biedermann, schrieb an den Hensler, dass Wetzlar für Pálffy noch nichts bezahlte, an Stessel wegen Obligationen von 45.000 fl. vom 1. Mai 1815 zu 6% mit 2700 fl. Interessen, wegen der Klassensteuer. Ging mit der Reimann ins Kärntnertor-Theater, dann in die Gestättengasse und mit August ins Theater an der Wien, wo ich mich recht gut unterhielt. Ein Regenguss folgte dem anderen, die Wien schwoll sehr an und riss einen kleinen Steg bei der Durchfahrt weg.
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Trüb, schwül. nach Mittag Regen, abends wieder. Im Kärntnertor-Theater „Familie Rosenstein“, im Theater an der Wien „U. A. w. g.“, „Blöder Ritter“. Den Vormittag beim Grafen, viel Arbeit. Mittags mit Kronenfels und Pepi zu Hause. Neefe – der Bräutigam, wovon er ganz schweigt – , Hoffmann. Richart und Jeanettl kamen zum Kaffee. Mit Freytag verabredete ich den Aufsatz an die Regierung wegen der Klassensteuer vom Hause, entwarf selben nach Tische. Schrieb an Mericzay, dann in den Garten. Besuchte Vater Hoffmann, er war mit der Julie zu Hause und lag wegen wehem Fuß auf dem Ruhebett. Dann mit Hoffmann ins Theater an der Wien, fand Seitz. Gleich am Anfang holte mich die Sepherl, der Graf sei plötzlich krank geworden, man habe ihn zur Ader gelassen, um 8 h würde gesprengt. In Blitzesschnelle eilte ich hin, fand Matuschek, Cavriani, Starhemberg. Er hatte eine heftige Lungenentzündung, weil er sich auch gar nicht schont. Ich blieb bis nach 10 h, es wurde besser. Schrieb mittels Estaffette an die Gräfin und Vinzenz.
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Veränderlich, nach Mittag Gewitterguss, sonst heiter. Im Kärntnertor-Theater „Fähndrich“, „Fehlgeschossen“, im Theater an der Wien „Leben ein Traum“. Sehr früh zum Grafen, der Seitenschmerz ist weg und er hat geschlafen; blieb stets bei ihm, schrieb wieder an die Gräfin und Vinzenz. Mittags bei Wohlfarth. Abends einen Augenblick mit Richart, wegen der Flora-Partie in den Garten, zum Högler. Ins Kärntnertor-Theater, dann wieder zum Grafen. In der Nacht um 2 h kam Vinzenz mit Lebel.
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Wie gestern. Im Kärntnertor-Theater „Pagenstreiche“, im Theater an der Wien „Die Räuber“, das Billett der Kathi und Spitzka. Früh zum Grafen, er bessert sich, sprach Vinzenz und Lebel. Schrieb an Therese, mittags bei der Wohlfarth, er ist nach Baden. Nach Tisch wieder zum Grafen, dann mit Tony, der Eberl und Dermer nach Pötzleinsdorf, gingen zum griechischen Bade (?), Tempel, welcher renoviert wird. Es donnerte und wir eilten ins Wirtshaus. Beim Schlosse kamen wir mit Ullmann und Goldmann zusammen. Wir fliehten vor dem Regen, welcher in Strömen herabfloss und den ganzen Abend währte. Wir aßen gebackene Hähnl und fuhren ins Kärntnertor-Theater. Sprach mit Gyurkovits wegen Substitution des Vinzenz zur Statution (?), dann nochmals zum Grafen.
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Trüb, kühl. Im Kärntnertor-Theater „Emilia Galotti“, mit der Bandini von Pest, im Theater an der Wien „Abgebranntes Haus“, „Berggeist“. Früh zum Grafen, er ist wieder besser. Um 9 h kam Gyurkovits mit Fay wegen Vollmacht für Vinzenz zur Statution, weil selbe der Kaiser selbst bestätigen muss. Mittags bei der Peter. Lebel, Jungmann, Högler speisten bei mir. Nach Mittag wieder zum Grafen, schrieb an Mericzay. In die Gestättengasse, an die Wien mit Joseph, er gab mir bei Fußer (?) einen Brief nach Pfaffendorf auf. Dann ins Kärntnertor-Theater, die Bandini wurde beklatscht, vorgerufen, sprach von redlichem Eifer für die Kunst, ist aber kein Gewinn für das Hoftheater. Klingmann, Krosek (?), Kettel, Lefevre gefielen. Kurs 246 ½ fl..
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Peter Prokop: Die Tagebücher des Joseph Carl Rosenbaum (ÖNB SN 194- 204) - eine Arbeitstransskription.
Die nachstehende Arbeitstransskription der in der Österreichischen Nationalbibliothek (Sammlung von Handschriften und Alten Drucken) in 11 Manuskriptbänden aufbewahrten Tagebücher des gräflich Esterházyschen Sekretärs Joseph Carl Rosenbaum (1757-1829) wurde vom Autor ursprünglich für private Zwecke als Findhilfe für architekturgeschichtliche Recherchen angefertigt, um das digitale Auffinden von Personen und Zusammenhängen zu erleichtern, die im Zusammenhang mit der Arbeit am „Architektenlexikon Wien 1770-1945“ relevant wurden. Es handelt sich demnach lediglich um eine Findhilfe, keineswegs aber um eine wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Edition. Diesem Primärzweck entsprechend, weicht die Transskription vom Originaltext in folgenden Details ab:
Rosenbaums biedermeierliche Schreibweise wurde modernisiert, seine Syntax jedoch weitgehend beibehalten; seine nicht immer eindeutige Interpunktation (mittels Bindestrichen) jedoch durch die heute gebräuchliche ersetzt.
Innerhalb der einzelnen Tageseintragungen wurden die gelegentlich vorkommenden Wiederholungen ein und desselben Sachverhaltes zusammengezogen.
Die von Rosenbaum ausgeschriebenen Wochentagsnamen wurden weggelassen, da mit dem Datum des jeweiligen Tageseintrags redundant. Dieses wurde im Format Jahr / Monat / Tag wiedergegeben. Die Bezeichnungen von Feiertagen wurden beibehalten. •Die ab etwa 1816 stereotyp wiederkehrenden Notizen zum täglichen Wetter und zum jeweiligen Programm der Hoftheater und des Theaters an der Wien wurden an den Beginn des jeweiligen Tageseintrages gerückt.
Bei Personennamen, deren Schreibweise bei Rosenbaum nicht selten variiert, wurde eine einheitliche und möglichst dokumentarisch belegte Schreibweise angewendet.
Fragliche Lesungen von Personen-, Ortsnamen u. dgl. wurden durch nachgestellte Fragezeichen (?) gekennzeichnet, Rosenbaumsche Abkürzungen entweder ausgeschrieben oder ihre wahrscheinliche Ergänzung in eckige Klammern gesetzt. Abgesehen davon wurde auf möglichste inhaltliche Vollständigkeit der Textwiedergabe geachtet. Kleinere Auslassungen und Tippfehler sind bei einer manuellen Eingabe von rund 9 Millionen Zeichen trotz aller Sorgfalt nicht ganz auszuschließen. Wem aber mit der raschen Auffindbarkeit von Personen, Orten, Sachbegriffen etc. gedient ist, ist eingeladen, sich dieser Ressource zu bedienen.
Der Autor ersucht lediglich um Einhaltung der üblichen Zitierungsusancen (siehe obenstehender Titel oder abgekürzt, z B. in Fußnoten Datum des zitierten Eintrages, bzw. bei Einträgen ohne Datum mit Band und pagina).