Heiter, warm. Im Kärntnertor-Theater „Tancred“, die Loge dem Tschepp. Im Theater an der Wien zum 1. Mal „Azmodai (?)“, Lustspiel in 2 Akten aus dem Französischen, von Biedenfeld. Den Vormittag beim Grafen, welcher nach Baden fuhr. Vormittags zu Reimann mit einem gewissen Spreitzendorfer und in den Garten. Mittags zu Wohlfarth, nach Mittag mit ihm und Tony nach Baden. Gleich zur Marklin, um mein liebes Weib zu sehen; Therese wartete meiner, herzlich freuten wir uns zu sehen. Wie gingen mit Wohlfarth die neuen Badekassen zu sehen, zum neuen Kirchhof, über die Breiten zum Ulbrich, soupierten mit Wohlfarth, Massauer, Blach (?) von der Regierung, saßen dann mit der Moser vor dem Hause auf dem Bankl. Heute starb in Florenz die Francesca DeCaro an der Auszehrung. Ihre Schwester Maria hat mit Ignaz Leykam die Vormundschaft über ihre Tochter Theresia.
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Bei Therese in Baden bei der Marklin. Früh ins Antonsbad, fand die Wohlfarth, dann zum Grafen. Fand Therese im Bette, sie musste wegen Kopfschmerzen den ganzen Tag liegen. Ich sah einige neue Häuser an, in den Park – gedrängt voll – dann speisten wir im Casinosaal, ich portionsweise gut, die andere zu 2 fl. schlecht. Nach Mittag zu Therese, dann in 2 Wägen nach Waltersdorf. Des Max Weib (?) führte uns in dem großen Garten herum, sahen die große Hortensienflur, Aussicht nach Wien und den Schneeberg, den Lauf des Mühlbaches, die schönen Schecken (?) und schwarze Küche. Tranken in der Meierei Kaffee, nach 7 h zurück über Dutenhof (?). Zu Therese, welche nun auf und plauderte, zu Wohlfarth eine Stunde, in den Park, hörten die Italiener singen, Violine und Gitarre spielen, zu Therese, plauderten, um 10 h ins Bett. Im Theater „Raub der Europa“.
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Sehr heiß, großer Staub. Um ½ 7 h ins Bad, nahm von Wohlfarth Abschied, zu Therese, frühstückte mit ihr, zum Grafen, zahlte alles, um 9 h mit dem Grafen nach Wien. Bei der Paulanerkirche führte der Pferdewärter Poldl ein Steirerwagerl ganz zusammen, wir fuhren davon. Zu Hause fand ich ein Regierungsdekret vor, vermög welchem ich mich wegen Zins ausweisen soll, da nur 1000 fl. fattiert seien; nichts als Odiosa !. Ich arbeitete beim Grafen bis 2 h, dann mit ihm zum Meunier speisen. Nach Mittag zur Eberl wegen Stoffen zum Bänke überziehen, in No. 391. Sprach mit Freytag wegen dem Regierungsdekret, mit Stessel wegen meiner Obligation, im Falle man mich dränge, den Hauskaufschilling auszuweisen. Sah die Arbeiten auf dem Burgplatz, wo man den Kaiser erwartete, der heute nach Schönbrunn zurückkehrte. Dann ins Kärntnertor-Theater, zum ersten Male „Familie Rosenstein“, Schauspiel in 3 Akten aus dem Französischen von Kurländer. Fand Seitz und den Hauptmann Flamberg (?), vormals Colloredo, jetzt Ehz. Ludwig, unterhielt mich mit ihm. Das Stück macht kein Glück, schleppender Dialog, viel Langeweile. Das Pfund Rindfleisch kostet 17 x.
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Wie gestern, nach Mittag trübte es sich, Regen. Im Kärntnertor-Theater das Gestrige, im Theater an der Wien zum 3. Male „Azmodai (?)“ missfiel ganz, dann „Marktrichter“. Früh zum Grafen, zur Peter, sie war im Bad. Mittags zu Wohlfarth, sie kam von Baden. Therese schickte ich gestern durch Krieghammer 6 Paar französische Handschuhe. Zu Hause, schrieb der Therese und nach Pfaffendorf. Dann zu Reimann, ins Kärntnertor-Theater, leer, doch warm. Wir saßen in der Credenz mit der Wohlfarth, ich brachte Rostbraten und Bier.
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Veränderlich, Regen, nach Mittag heiterte es sich aus, ein düsterer Abend. Im Kärntnertor-Theater „Prüfung der Treue“, im Theater an der Wien „Rosenhütchen“. Früh zum Grafen, zur Eberl. Mittags mit Kridl und Pepi. Durch die Wohlfarth schickte ich Therese für die Reimann 2 Kleider, 36 fl, und Birnen aus unserem Garten. Ich ging mit Wohlfarth in den Garten, setzten Rosen beim Flora-Plätzchen. Abends kamen Hoffmann, Troppauer und Resi. Kurs 246 5/8 fl..
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Peter Prokop: Die Tagebücher des Joseph Carl Rosenbaum (ÖNB SN 194- 204) - eine Arbeitstransskription.
Die nachstehende Arbeitstransskription der in der Österreichischen Nationalbibliothek (Sammlung von Handschriften und Alten Drucken) in 11 Manuskriptbänden aufbewahrten Tagebücher des gräflich Esterházyschen Sekretärs Joseph Carl Rosenbaum (1757-1829) wurde vom Autor ursprünglich für private Zwecke als Findhilfe für architekturgeschichtliche Recherchen angefertigt, um das digitale Auffinden von Personen und Zusammenhängen zu erleichtern, die im Zusammenhang mit der Arbeit am „Architektenlexikon Wien 1770-1945“ relevant wurden. Es handelt sich demnach lediglich um eine Findhilfe, keineswegs aber um eine wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Edition. Diesem Primärzweck entsprechend, weicht die Transskription vom Originaltext in folgenden Details ab:
Rosenbaums biedermeierliche Schreibweise wurde modernisiert, seine Syntax jedoch weitgehend beibehalten; seine nicht immer eindeutige Interpunktation (mittels Bindestrichen) jedoch durch die heute gebräuchliche ersetzt.
Innerhalb der einzelnen Tageseintragungen wurden die gelegentlich vorkommenden Wiederholungen ein und desselben Sachverhaltes zusammengezogen.
Die von Rosenbaum ausgeschriebenen Wochentagsnamen wurden weggelassen, da mit dem Datum des jeweiligen Tageseintrags redundant. Dieses wurde im Format Jahr / Monat / Tag wiedergegeben. Die Bezeichnungen von Feiertagen wurden beibehalten. •Die ab etwa 1816 stereotyp wiederkehrenden Notizen zum täglichen Wetter und zum jeweiligen Programm der Hoftheater und des Theaters an der Wien wurden an den Beginn des jeweiligen Tageseintrages gerückt.
Bei Personennamen, deren Schreibweise bei Rosenbaum nicht selten variiert, wurde eine einheitliche und möglichst dokumentarisch belegte Schreibweise angewendet.
Fragliche Lesungen von Personen-, Ortsnamen u. dgl. wurden durch nachgestellte Fragezeichen (?) gekennzeichnet, Rosenbaumsche Abkürzungen entweder ausgeschrieben oder ihre wahrscheinliche Ergänzung in eckige Klammern gesetzt. Abgesehen davon wurde auf möglichste inhaltliche Vollständigkeit der Textwiedergabe geachtet. Kleinere Auslassungen und Tippfehler sind bei einer manuellen Eingabe von rund 9 Millionen Zeichen trotz aller Sorgfalt nicht ganz auszuschließen. Wem aber mit der raschen Auffindbarkeit von Personen, Orten, Sachbegriffen etc. gedient ist, ist eingeladen, sich dieser Ressource zu bedienen.
Der Autor ersucht lediglich um Einhaltung der üblichen Zitierungsusancen (siehe obenstehender Titel oder abgekürzt, z B. in Fußnoten Datum des zitierten Eintrages, bzw. bei Einträgen ohne Datum mit Band und pagina).