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Anzeige von 6636 - 6640 aus 11858
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Lfd Nr Jahr Monat Tag Eintrag Namen Referenz
6636 1815 10 1 Trüb, kalt; mittags wurde es heiter, blieb aber sehr windig und staubig. Im Burgtheater „Theatersucht“, im Kärntnertor-Theater „Augenarzt“, im Theater an der Wien „Adelheid von Italien“, Heute soll Feuerwerk sein. Früh hörte ich das Lamento der Kutscher Strem (?) an, welche ihr Mann gestern prügelte. Mit Kárner auf den Graben, Richart speiste bei uns; Therese besuchte sie am Nachmittag, sie ist sehr schwach. Kleiner verordnete Vesicans und Kampfergeist auf den Kopf. Juden kamen wegen Gewölb No. 2, nichts. Palatinus mit ihr sollen nach Mittag in den Prater fahren; ich sah sie wirklich auf dem Burgplatz. Sie ist ein gesundes Stück, brünett, etwas stark, schwärzlichtes Haar. Ich bekam Gesellschaft, ins Kärntnertor-Theater, zu Richart; Dirnhofer (?) nahm das Vesicans ab, sie ist sehr schwach. Therese fuhr mit der Kunesch nach Pötzleinsdorf; abends bei ihr die Dräxlerischen. Den Bruder beglückte ich mit 2 Feuerwerk- Billetts. Band 08 (VIII.), Seite 76v
6637 1815 10 2 Düster, feucht, starker Nebel, dann Regen. Im Burgtheater „Kleiner Deklamator“, im Kärntnertor-Theater „Gefangene“, „Zephyr und Flora“, im Theater an der Wien „Hund des Aubri von Mont-Didier“ Früh zum Grafen. Ich fuhr wegen Pferden zum Rosenzweig, zum Bankier Steyrer wegen der Jagd in Ebergassing. Heute vermisste ich meinen Siegelring, suchte alles, aber vergebens. Die Richart ist nur etwas besser. Mittags allein, nach Mittag zu Hause. Abends zum Walnefer wegen Siegelring, niemand weiß etwas, alle Hoffnung gebe ich auf. Abends ins Kärntnertor-Theater, nach der Oper zu Richart, welche etwas besser. Bei Therese war die Bonno (?). Band 08 (VIII.), Seite 76v
6638 1815 10 3 Starkes Nebelreissen. Im Burgtheater zum 1 Mal „Künstler-Dank“, Prolog von der Weissenthurn, dann „Unvermählte“ im Kärntnertor-Theater „Gefangene“, „Ehrenpforten“, im Theater an der Wien „Die Nationen Österreichs“, Prolog von Seyfried, gesprochen von Demmer, dann „Friedrich von Österreich“. Therese hat vor Mittag Proben in beiden Hoftheatern, im Kärntnertor-Theater Chor von Beethoven „Germania“; um 10 h fuhr sie in die Probe. Früh ging ich zum Bankier Steyrer, welcher Ebergassing von Almássy kaufte, wegen der Jagd. Zum Grafen, Kridl, Lang und Klemp speisten da, nach Tische kamen Ortner, Richart und Stifft, wir saßen bis 5 h fidel beisammen. Von Dioszegh kamen je 1 Metzen Mund-, Semmel- und Auszugsmehl. Therese machte Toilette, die Babi frisierte sie. Abends zur Richart, welche sich bessert, dann ins Burgtheater und Kärntnertor-Theater, nirgends voll, in beiden Langeweile, schwach war der Enthusiasmus. Viel wurde gegen die schlechte Regierung gesprochen. Therese kaufte sich bei Josephine weißes Band für 12 fl. 15 x. Mich quälen heftiger Husten und Schnupfen. Band 08 (VIII.), Seite 76v
6639 1815 10 4 Rauer Wind. im Burgtheater „Künstler-Dank“, „Vertraute“, im Kärntnertor-Theater „Ehrenpforten“, „Feier der Grazien“, im Theater an der Wien „Nationen Österreichs“, von Seyfried, zum Teil abgeschrieben von Weidmann, dann „Friedrich von Österreich“. Therese singt in beiden Hoftheatern. Die Richart bessert sich. Den ganzen Tag beim Grafen. Von der Assen bekam ich eine Tasse mit dem Karlsbader Sprudel. Nina und Elsler speisten da. Der Schießl Maria schickte ich ein kleines Tuch, weiß mit Pailletten (?) von Bertoli, 20 fl. Nach Mittag zu Aquila, ins Theater an der Wien, dann ins Kärntnertor-Theater. Kurs 344 fl.. Band 08 (VIII.), Seite 76v
6640 1815 10 5 Kalt, etwas heiter. Im Burgtheater „Wald bei Hermannstadt“, 1. Versuch der Dlle. Stesch, Schöne von Koberwein, als Elisene. Im Kärntnertor-Theater „Joseph und seine Brüder“, im Theater an der Wien „Hund des Aubri“. Früh beim Grafen, mittags bei Geiger, speiste mit Schmidt (?) von der Polizei, Therese bei der Moser. Ins Kaffeehaus in der Weihburggasse, später nach Haus, sah den Kupferschmieden nach, welche beim Weber die Rinne machen. Suchte Gesellschaft, ins Burgtheater; die Stesch ist ganz Anfängerin, doch hübsch. Zur Richart, welche sich bessert, fand Jungmann, Assen. Um 9 h kam Richart mit heftiger Kolik zu Hause, wir leisteten gleich Hilfe, sie wurde ohnmächtig. So kommt Schlag auf Schlag. Band 08 (VIII.), Seite 76v
Peter Prokop: Die Tagebücher des Joseph Carl Rosenbaum (ÖNB SN 194- 204) - eine Arbeitstransskription.

Die nachstehende Arbeitstransskription der in der Österreichischen Nationalbibliothek (Sammlung von Handschriften und Alten Drucken) in 11 Manuskriptbänden aufbewahrten Tagebücher des gräflich Esterházyschen Sekretärs Joseph Carl Rosenbaum (1757-1829) wurde vom Autor ursprünglich für private Zwecke als Findhilfe für architekturgeschichtliche Recherchen angefertigt, um das digitale Auffinden von Personen und Zusammenhängen zu erleichtern, die im Zusammenhang mit der Arbeit am „Architektenlexikon Wien 1770-1945“ relevant wurden. Es handelt sich demnach lediglich um eine Findhilfe, keineswegs aber um eine wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Edition. Diesem Primärzweck entsprechend, weicht die Transskription vom Originaltext in folgenden Details ab:

  • Rosenbaums biedermeierliche Schreibweise wurde modernisiert, seine Syntax jedoch weitgehend beibehalten; seine nicht immer eindeutige Interpunktation (mittels Bindestrichen) jedoch durch die heute gebräuchliche ersetzt.
  • Innerhalb der einzelnen Tageseintragungen wurden die gelegentlich vorkommenden Wiederholungen ein und desselben Sachverhaltes zusammengezogen.
  • Die von Rosenbaum ausgeschriebenen Wochentagsnamen wurden weggelassen, da mit dem Datum des jeweiligen Tageseintrags redundant. Dieses wurde im Format Jahr / Monat / Tag wiedergegeben. Die Bezeichnungen von Feiertagen wurden beibehalten. •Die ab etwa 1816 stereotyp wiederkehrenden Notizen zum täglichen Wetter und zum jeweiligen Programm der Hoftheater und des Theaters an der Wien wurden an den Beginn des jeweiligen Tageseintrages gerückt.
  • Bei Personennamen, deren Schreibweise bei Rosenbaum nicht selten variiert, wurde eine einheitliche und möglichst dokumentarisch belegte Schreibweise angewendet.
  • Fragliche Lesungen von Personen-, Ortsnamen u. dgl. wurden durch nachgestellte Fragezeichen (?) gekennzeichnet, Rosenbaumsche Abkürzungen entweder ausgeschrieben oder ihre wahrscheinliche Ergänzung in eckige Klammern gesetzt. Abgesehen davon wurde auf möglichste inhaltliche Vollständigkeit der Textwiedergabe geachtet. Kleinere Auslassungen und Tippfehler sind bei einer manuellen Eingabe von rund 9 Millionen Zeichen trotz aller Sorgfalt nicht ganz auszuschließen. Wem aber mit der raschen Auffindbarkeit von Personen, Orten, Sachbegriffen etc. gedient ist, ist eingeladen, sich dieser Ressource zu bedienen.

Der Autor ersucht lediglich um Einhaltung der üblichen Zitierungsusancen (siehe obenstehender Titel oder abgekürzt, z B. in Fußnoten Datum des zitierten Eintrages, bzw. bei Einträgen ohne Datum mit Band und pagina).


(†) Peter Prokop, Wien, im Februar 2016

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