Online-Datenbank der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft "Adler", Wien

Die Tagebücher des Joseph Carl Rosenbaum [996]

996
1800
APR
29
Sehr warm. Bis 9 h war ich zu Hause, dann ging ich zu Brandl, zur Mama, zu Walther; ihm übergab ich ein Promemoria wegen der Empfehlung und ehrenvollen Entlassung. Vormittags arbeitete ich bei der Mama in häuslichen Sachen mit Brandl und dem Bruder; mittags aß ich bei der Mama. Nach Mittag ging ich zu Klimbke dann zu Pauer. Zwei Stunden wartete ich seiner im Bureau, endlich kam er von Richard und sagte: „Freund ! Sie werden nicht Kassierer werden, man hat schreckliche Verleumdungen gegen Sie, und viele der Gesellschaft sind jetzt wider Sie.“ Wie schändlich ! Man bat mich, diese Stelle anzunehmen man wählte mich einstimmig, und bestätigte mich nachher schriftlich, und alle diese Kabalen, weil man zum Kassier des Grafen Dietrichstein Sekretär haben will. So erniedrigend behandelt man nur einen Schurken ! Dies erzählte ich dem Geyersperg, der darüber äußerst aufgebracht wurde und morgen früh vor seiner Abreise zu Richard gehen wird. Mit Klimbke sprach ich auch; er versprach mir, morgen früh zu Pauer zu gehen und ihm diesen wichtigen Gegenstand recht sehr ans Herz zu legen. Abends war ich im Kärntnertor-Theater, saß neben der Tante des Klimbke; da kam Therese auf einen Augenblick ins Theater, ward eifersüchtig, dass ich neben einem Frauenzimmer saß und eilte gleich aus dem Theater. Ich eilte ihr nach, erklärte ihr alles, schilderte ihr meinen Verdruss, begleitete sie nach Hause und kehrte wieder ins Theater zurück. Mit Klimbke plauderte ich noch; nach des Balletts Anfang ging ich voll Missmut nach Hause und schrieb, bis mein Bruder aus dem Theater kam. Ich hatte eine sehr böse, unruhige Nacht
Band 02 (II.), Seite 80v
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