Online-Datenbank der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft "Adler", Wien

Die Tagebücher des Joseph Carl Rosenbaum [3077]

3077
1806
JAN
5
Heiter, trocken, abends Schnee. Früh arbeitete ich, später mit Finettl spazieren. Um 12 h mit Sonnleithner auf dem Hof, wo die Bürgerkompagnien und Franzosen versammelt waren, die dann vor das Schottentor zogen, auf dem Mist- und Holzplatz ein Karree schlossen, und Zeugen sein mussten, wie der Spielmann, der vor ein paar Tagen einen Hausmeister erstach, erschossen wurde. Ich ging mit hinaus, sah aber wegen Holz die Exekution nicht. Er war sehr entschlossen, setzte sich zu einem Schilderhaus nieder, verband sich selbst die Augen und wurde ins rechte Wang so getroffen, dass er gleich tot war. Vor und nach der Hinrichtung wurde Rebell geschlagen, dann marschierten alle Franzosen und Bürger an dem Toten vorüber. Platzkommandant Morand war auch draußen. Von ihm erschien heute ein Ordre du jour, dass in der Stadt um 10 h und in den Vorstädten um 9 h alle öffentlichen Orte geschlossen sein müssen, und keine Franzosen mehr auf den Straßen sein dürfen. Mittags waren Therese und ich ganz allein. Nach Mittag las ich, da kam die Goldmann mit Schwester. Abends war Therese allein, ich ging ins Burgtheater „Zwei Posten“ und DeCaros Pas de deux, hielt mich meistens bei der Kasse auf. Sah den Bauchredner Thiemet (?) im kleinen Redoutensaal, er unterhielt mich weit weniger als das erste Mal, es war auch leer. Um 9 h war ich schon zu Haus. Therese sagte mir, die Kunz befindet sich heute besser.
Band 05 (V.), Seite 110v
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