Die Tagebücher des Joseph Carl Rosenbaum [2394]

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1804
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Heiter. Einnahme der Adamberger Marianne im Burgtheater. Früh zum Grafen und um ½ 11 h traf ich Woller. Zusammen waren wir in den Augustiner-Gängen, dann zu Richart. Mittags allein, die Töpfer war unser Gast. Nach Tische kam Albert, diesen und die Mädl von Richart und Mussini führte ich um ½ 4 h zur Kasse. Schon standen mehrere 100 Menschen bei allen Türen. Unmenschlich war das Gedränge und die Hitze, und außerordentlich das Opfer, diesen Abschied zu sehen. Huber gab mir die Billets vor Eröffnung der Kasse und so war ich mit meinen Leuten der erste im Parterre. Um ½ 5 h wurde die Kasse geöffnet und in 10 Minuten war das Theater zum Brechen voll. „Eduard in Schottland“, Schauspiel in 3 Akten aus dem Französischen bearbeitet von Kotzebue, nachher „Ein Gespräch“ und eine Schlussrede von Collin, von Lang gesagt. In dem „Gespräch“ trat die Antonia Adamberger zum ersten Male auf; sie kann ein Mädchen von 13, 14 Jahren sein. Der „Gestörte Abschied“ ist voll Anspielung auf die Adamberger, ihre schwere Krankheit, eine Empfehlung des Mädchens an das Publikum. Brockmann spielte den Pächter, Schütz seine Frau, Weidmann den Schulmeister, Lang den Arzt, Dauer (?) und sie den Bauern und seine Frau, die Adamberger die Tochter Frau Einzig. Die Toni sagte ihre Erzählung sehr rührend. Bis zu Tränen rührte mich der herzliche Epilog, den Lang ebenso aus dem Herzen zum Herzen sagte. Er spielte an, dass Adamberger – als sie zum letzten Mal die Gurli in den „Indianern in England“ spielte – vorgerufen wurde und nur das einzige Wort „Gewesen“ sagte. Er sagte, dass auch er schon in dem Alter sei, dass er nun als Senior des Hoftheaters der erste zum Scheiden ist; er erwähnte der unersetzliche Jaquet, Weidner, der erst verblichenen Nouseul. Hier brach er ab, von Schmerz durchdrungen; das Publikum fühlte diesen großen, wohl nie zu ersetzenden Verlust und applaudierte laut. Dann sagte er: „Der Bildhauer, der Maler lassen Denkmäler ihrer Kunst zurück; nichts aber bleibt dem Schauspieler als die Erinnerung“. So gedrängt voll es war, so feierlich still war alles im ganzen Saale. Die Adamberger wurde vorgerufen, Lang führte sie heraus und der einstimmigste Beifall ward beiden. Im Theater unterhielt ich mich gut, die Zeit verstrich unvermerkt. „Eduard in Schottland“ gefiel sehr. Es ist voll von großen Situationen, der Zuschauer bleibt von Anfang bis zum Ende in gespannter Erwartung der Rettung des flüchtigen Eduard (Koberwein). Nur ist viel Unwahrscheinlichkeit darin, und der König von England muss seinen dümmsten Offizier – Klingmann – geschickt haben, um Eduard zu fangen, wenn er von allem, was in seiner Gegenwart vorging, nichts gemerkt hätte. Die Roose als Lady, Lang ihr Gemahl und Ziegler als Herzog Northumberland gefielen mir und spielten vortrefflich. Koberwein und sie erhielten des Publikums ganze Zufriedenheit nicht, Bernardi als Haushofmeister spielte recht brav. Klingmann hatte seine Rolle nicht memoriert und es ging schlecht. Nach dem Theater ins Bett. Therese war den Abend allein.
Band 05 (V.), Seite 15r
22.02.1804
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