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1804
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In der Nacht Regen, am Tage heiter. Früh zum Grafen, der gab mir für Therese ein in Paris artig von Gold gearbeitetes Flaçon; ich war so überrascht, so sehr es mir Freude machte, Therese sich darüber freuen zu sehen. Ich ging zu Haus, war aber vorher bei Richart, fand die Babett, welche mit uns speiste und gab Therese das niedliche Geschenk; mächtig war ihre Freude. Nach Tische arbeitete ich, brachte Teki das Redoute-Billett, erwartete Mirus bei den Augustinern, dann ins Kärntnertor-Theater „Richard Wanderer“. Mirus kam nicht. In der Theaterkanzlei brachte Ziegler mich und Klimbke auf den Diskurs von der Nouseul, Lefèvre, dem Theater, Misshandlungen des Braun etc. Während dem wir sprachen, ging Nouseul zum Braun wegen 200 fl. Zulage. Es war ½ 5 h, Braun sprach mit ihr ¼ Stunde, gleich konnte sie ihn nicht sprechen. Als sie um 5 h über die Stiege ging, wurde ihr übel. Sie erreichte mit Mühe die letzte Stufe, rief den Portier um Hilfe, der führte sie in sein Zimmer; da fiel sie um. Der Stallmeister, der eben im Zimmer war, fing sie auf, sie schleppten sie auf’s Bett. Man bot ihr gleich alle Hilfe auf. Quarin, der zu Haus war, der Chirurgus, alles war mit den erforderlichen Hilfsmitteln im Augenblick da, aber alles vergebens, sie verschied in der Minute. So endete die unersetzliche, verdienstvolle Schauspielerin Rosalia Nouseul im 54. Jahr ihr um die Kunst verdientes Leben. Deutschland und die Kunst trauern um sie, denn sie war einzig. Alles sagte, der Braun hätte sie so behandelt, dass sie vor Zorn, von gerechtem Unwillen erbittert, der Schleimschlag traf. Pfersmann und derlei Kreaturen sagten, Braun habe sie im Sterben bei der Hand gehalten und sie hätte noch ihren letzten Blick, wegen der Zulage von 200 fl. – eher hatte sie nur 1800 fl. – auf Braun geworfen. Da sagte Nadastini den prächtigen Gedanken: „Marinelli, Marinelli !“, das waren die letzten Worte des sterbenden Grafen; und das mit einem Tone, einem Blicke etc. Ja wohl mag der [Tyrann ?] der Kunst schuld an ihrem Tode sein. Die Bestürzung unter der Gesellschaft und im Publikum gleich mächtig, das Stück gleich fade und schlecht. Zwischen dem 3. und 4. Akt brannte vor dem Kärntnertor-Theater eine Tabakhütte ab. Als so nahe am Theater getrommelt und Feuer gerufen wurde, geriet alles in Alarm, in der Meinung, als ob es im Theater brennte. Ziegler war aber so besonnen und trat mit den Worten vor: „Es brennt nicht im Theater, sondern vor dem Tor eine Tabakhütte, es ist also keine Gefahr“. Es wurde applaudiert, dann fortgespielt. Weidmann und Sanenz machen 2 Schauspieler; ersterer hatte in seiner Rolle zu sagen: „Wir Schauspieler von Metier lernen nie eine Rolle; bei der Probe durchlesen wir sie und bei der Produktion lassen wir statt uns den Souffleur reden“. Ein einstimmiges Applaudissement erfolgte; sonst wurde im ganzen Stück nicht geklatscht. Bei Therese war die Stegmayer und Gabrieli. Der Tod der Nouseul erschütterte uns sehr. Lang war im Theater. Nach selbem nach Haus.
Band 05 (V.), Seite 9v
24.01.1804
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