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Den ganzen Tag Nebel. Vor Mittag war ich mit dem Grafen sehr beschäftigt, mit anderen Fahrten war ich auch in der Porzellanfabrik. Therese fuhr zur Gräfin Traun, wo sie speiste. Ich fuhr in die Josephstadt zum Englischen Gruß, wo ich Gewey, Stegmayer, Maisano, Pelikan, Kaiserer (?) und Godfried (?) fand. Ich war munter, bis mir Stegmayer erzählte, zwei Weiber – ich vermute Neumann – hätten zu Weigl und dem Buben Treitschke gesagt, dass ich bei der Aufführung der Oper „Zwei Posten“ ganz zügellos geschimpft hätte. Diese Lüge erzürnte mich zu höchsten und ward ganz umgestimmt. Der Compagnie willen ging ich nach Tische ins Kaffeehaus und später ins Bierhaus zum Verlorenen Sohn auf dem Neubau, wo bis 8 h getrunken und dann im fürchterlichen Morast bis über die Füße in die Stadt gegangen wurde. Als ich ins Kärntnertor-Theater kam, sagte man mir im Parterre, Pfersmann habe mich gesucht und ich hätte auf Brauns Befehl keinen freien Eintritt mehr. Ich suchte auf der Stelle Pfersmann, war bis zur Wut erbittert, sprach auch mit dem Grafen und bestimmte, morgen früh gleich zum Braun zu gehen. Diese Beleidigung war zu groß, ich konnte das Ballett „Die Tänzerin“ nicht auswarten, ging nach Hause und erzählte es Therese, welche eben von „Achille“ aus dem Burgtheater kam. Sie war über diese schändliche Verleumdung ebenso bestürzt. Therese und ich konnten die ganze Nacht nicht schlafen und durchwachten eine Höllennacht.
Band 05 (V.), Seite 9r
20.01.1804
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