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Heraldisch-Genealogische Gesellschaft   Online-Datenbank der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft "Adler", Wien

    
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Peter Prokop: Die Tagebücher des Joseph Carl Rosenbaum (ÖNB SN 194- 204) - eine Arbeitstranskription.


Die in unserer Datenbank abgebildete Arbeitstranskription der in der Österreichischen Nationalbibliothek (Sammlung von Handschriften und Alten Drucken) in 11 Manuskriptbänden aufbewahrten Tagebücher des gräflich Esterházyschen Sekretärs Joseph Carl Rosenbaum (1770-1829) wurde vom Autor ursprünglich für private Zwecke als Findhilfe für architekturgeschichtliche Recherchen angefertigt, um das digitale Auffinden von Personen und Zusammenhängen zu erleichtern, die im Zusammenhang mit der Arbeit am „Architektenlexikon Wien 1770-1945“ relevant wurden.


Es handelt sich demnach lediglich um eine Findhilfe, keineswegs aber um eine wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Edition. Diesem Primärzweck entsprechend, weicht die Transkription vom Originaltext in folgenden Details ab:


- Rosenbaums biedermeierliche Schreibweise wurde modernisiert, seine Syntax jedoch weitgehend beibehalten; seine nicht immer eindeutige Interpunktation (mittels Bindestrichen) jedoch durch die heute gebräuchliche ersetzt.


- Innerhalb der einzelnen Tageseintragungen wurden die gelegentlich vorkommenden Wiederholungen ein und desselben Sachverhaltes zusammengezogen.


- Die von Rosenbaum ausgeschriebenen Wochentagsnamen wurden weggelassen, da mit dem Datum des jeweiligen Tageseintrags redundant. Dieses wurde im Format Jahr / Monat / Tag wiedergegeben. Die Bezeichnungen von Feiertagen wurden beibehalten.


- Die ab etwa 1816 stereotyp wiederkehrenden Notizen zum täglichen Wetter und zum jeweiligen Programm der Hoftheater und des Theaters an der Wien wurden an den Beginn des jeweiligen Tageseintrages gerückt.


- Bei Personennamen, deren Schreibweise bei Rosenbaum nicht selten variiert, wurde eine einheitliche und möglichst dokumentarisch belegte Schreibweise angewendet.


- Fragliche Lesungen von Personen-, Ortsnamen u. dgl. wurden durch nachgestellte Fragezeichen (?) gekennzeichnet, Rosenbaumsche Abkürzungen entweder ausgeschrieben oder ihre wahrscheinliche Ergänzung in eckige Klammern gesetzt.


Abgesehen davon wurde auf möglichste inhaltliche Vollständigkeit der Textwiedergabe geachtet. Kleinere Auslassungen und Tippfehler sind bei einer manuellen Eingabe von rund 9 Millionen Zeichen trotz aller Sorgfalt nicht ganz auszuschließen. Der Autor ersucht hierfür um Verständnis und allfällige Rückmeldung unter mailto:p.prokop@utanet.at  zwecks Berüchsichtigung in späteren Korrekturen.


Wer nun die wortwörtliche und buchstabengetreue Wiedergabe des Rosenbaumschen Originaltextes benötigt, wird zu den Manuskripten selbst greifen müssen, deren Digitalisierung von der ÖNB bereits in Angriff genommen wurde. Wem aber mit der raschen Auffindbarkeit von Personen, Orten, Sachbegriffen etc. gedient ist, ist eingeladen, sich dieser Ressource zu bedienen. Der Autor ersucht lediglich um Einhaltung der üblichen Zitierungsusancen (siehe obenstehender Titel oder abgekürzt, z B. in Fußnoten TBR + Datum des zitierten Eintrages, bzw. bei Einträgen ohne Datum mit Band und pagina).


Peter Prokop

Wien, im Februar 2016


  Lfd Nr Jahr Monat Tag Eintrag Referenz  
2239 1803 SEP 21 Vormittag neblig, nach Mittag heiter. Früh beim Brandl und in No. 810, dann arbeitete ich zu Haus. Mittags allein. Nach Tisch kam der türkische Jude Major, der Theresen ihr großes Umhangtuch mit einem schöneren austauschte. Nach Mittag las ich. Um 4 h zur Laucher, welcher ich die Loge gab, dann zu Brandl und in No. 810. Abends ins Burgtheater „Ersatz“, dann ins Kärntnertor-Theater Helene, wo ich blieb. Ich war auf dem Theater, den Plätzen und in der Loge. Nach dem Theater ins Bett. Therese unterhielt sich den Abend bei der Schmirer, wo sie mit Korntheuer zusammenkam. Band 04 (IV.), Seite 129v  
2255 1803 OCT 7 Ein schöner Tag. Den Vormittag auf der Hauptmaut, in No. 810 und bei Laucher. Therese ging früh zur Ascher und blieb den ganzen Tag. Sie fand große Verwirrung und viel Zurückhaltung. Ich speiste mit Stegmayer, Frankstein, Gewey und dem Leichenbeschauer Kerndl, den ich als einen offenen, fidelen Menschen kennen lernte, im Gasthaus bei den Sieben Kurfürsten, wo wir Hasenhut, Sartory Johann, Bondra und Ziegelhauser fanden. Nach Tisch gingen wir in den Prater, tranken Kaffee; ich unterhielt mich recht angenehm. Abends einen Augenblick ins Burgtheater „Eraklito“, dann ins Kärntnertor-Theater „Emilia Galotti“; im ersteren leer, im letzteren mittelmäßig. In der Loge fand ich Laucher, dann Hauptmann (?) und Detrie (?) Nach dem Theater nach Haus. Die Sepherl holte Therese ab und kam um 9 h nach Haus. Band 04 (IV.), Seite 133r  
2265 1803 OCT 17 Vormittag trübe, nach Mittag heiter. Therese ging früh zu Scheiger, brachte ihm für die Ringe 200 fl. à conto und ihm ein Paar gestrickte Ärmeln. Den ganzen übrigen Tag war sie bei der Ascher, die im Fieber liegt und Fatalitäten in Menge hat. Mit dem Gerichtsdiener suchte man heute den Kirstein bei ihr, nahm dessen Kleidung und Wäsche mit. Ein Frauenzimmer forderte mit Ungestüm Kirsteins Auslieferung. Ich ging zum Antonio, in No. 810, zum Banco und zum Prantner wegen Holz. Nach Mittag besuchte ich Kárner und blieb mit ihm, bis er nach Mittag 5 h wegfuhr. Wir fuhren in Geschäften herum, speisten beim Traiteur Mounier. Nach Mittag führte er mir den künftigen Stallmeister auf, Canto, Oberleutnant und Adjutant beim General Webern. Als Kárner weg war, ging ich nach Haus, zu Laucher und ins Burgtheater „Helene“, dann aber ins Kärntnertor-Theater „Puls“ und Terzett. Nach dem Theater nach Haus. Sepherl holte Therese ab. Band 04 (IV.), Seite 134r  
2280 1803 NOV 1 Allerheiligen, rauer Wind. Therese hatte vor Mittag Probe vom „Onkel in der Livrèe“. Früh schrieb ich, dann zu Kárner, der eben die Dekrete für Canto als Stalldirektor und Jos Rosenzweig als Bereiter herstellte. Er gab mir den Auftrag, nach meinem Vorschlag beim Zoller der Beridez ihre Wohnung bis Georgi für Hauter zu mieten, um selben bald aus dem Roten Haus zu expedieren. Ich beurlaubte mich bei Kárner, der heute nach Eisenstadt fuhr, traf Rosenzweig am Hof, besuchte ihn einen Augenblick, ging zu Viotti, auf die Bastei, wo ich Zoller und Woller sprach, zu Brandl, wo ich speiste. Therese speiste bei Hitzinger, besuchte Ascher am Tiefen Graben, die dann zu ihr kam, später auch die Barany. Beide fuhren mit ihr ins Kärntnertor-Theater „Achille“. Ich ging Mittag zur Teki (?), mit ihr zur Laucher, dann zu unseren Flüchtlingen, wo ich den Abend blieb. Die Schaidegger dauert mich sehr, ihre Lage ist höchst unangenehm. Um ihnen die Zeit zu verkürzen, spielte ich Saunikel. Dann ins Burgtheater, anstatt dem „Schreibpult“ wegen Krankheit des Nouseul „Bruderzwist“. Nach dem Theater nach Hause. Band 04 (IV.), Seite 137v  
2312 1803 DEC 2 Strenge Kälte, trübe. Therese und ich verabredeten das Nötige zum Donnerstag und schrieben alles auf. Heute ist der Rosalie Geburtstag. Therese schenkte ihr ein paar selbst gestrickte Ärmel, ich ihr ein Paar seidene Ellbogen-Handschuh. Beides trug ihr Therese zur Mama. Ich arbeitete früh, ging zu Woller und in No. 810. Bevor ich ausging, schrieb ich meiner Mutter. Therese sang mit der Gulyás und speiste bei ihrer Mutter. Im Burgtheater „Achille“, im Kärntnertor-Theater „Menschenhass und Reue“, worin Lang nach seiner Krankheit wieder zum ersten Mal spielte. Ich speiste mit der gewöhnlichen Gesellschaft bei der Schwann und trank Kaffee bei der Schale (?), wo ich mit Gewey 2 Partien spielte. Nach Mittag zu Schaidegger, nach Haus und mit Nigst ins Kärntnertor-Theater. Es war voll. Laucher besuchte ich in der Loge, nach dem Theater nach Haus. Abends regnete es und schneite. Band 05 (V.), Seite 1r  
2314 1803 DEC 4 Babetten-Feier. Trübe, mitunter auch Regen. Therese ging zur Töpfer Babett gratulieren, dann zu ihrer Mutter, wo sie speiste und den ganzen Abend blieb. In der Gesellschaft waren die Urbain, Müller und Wüst (?). Ich ging früh zum Grafen, zur Institutssitzung, zu Kárner, den ich nicht traf, in der Kanzlei aber hörte, dass gestern der Fürst das Dekret als Garde-Kapitän und Feldmarschall-Leutnant erhielt, und dass der Transport Pferde aus England kam. Woller besuchte ich, fand sie aber nicht. Bei Brandl wurde gespeist. Nach Mittag traf ich auch Kárner und plauderte mit ihm lange. Nachher besuchte ich Schaidegger, da traf ich alles wegen Briefen in größter Bestürzung an, Laucher, Kühnel, bei welchem Franz Burgerth und die Immervoll (?) waren. Später ins Burgtheater „Ersatz“, dann mit Nigst in den Dempfinger Hof und gleich nach 10 h nach Haus. Therese kam später. Band 05 (V.), Seite 1r  
2323 1803 DEC 13 Heiter, aber viel Kot. Früh zum Grafen, Karner und zum Woller speisen. Therese hatte Probe von „Don Juan“, Hunnius als Don Juan, die Laucher als Zerline. Nach der Probe zu Woller, Korn und Moreau waren auch Gäste. Wir hatten ein äußerst prächtiges Diner und dauerte bis ½ 6 h. Dann begab sich alles ins Kärntnertor-Theater „Der Schubkarren des Essighändlers“ dann zum ersten Mal „Ariadne und Bacchus", von Gallet. Es war unausstehlich voll, Woller gingen in den 4. Stock, Therese in die Loge, ich ins 1. Parterre. Der 1. Akt mit dem Einzug des Bacchus gefiel sehr, matter und etwas lang war der Schluss des 1. und der 3. Akt. Der Schluss des Balletts machte wieder Glück, im Ganzen gefiel es. Thaddä Weigls Musik wollte nicht behagen, Sacchettis Dekorationen missfielen und wirklich verdient. Nach dem Theater mit Therese nach Hause. Band 05 (V.), Seite 3r  
2330 1803 DEC 20 Heftiger Schnee und Wehgewitter. Im Kärntnertor-Theater zu. 1. Mal „Don Juan“, Hunnius als Don Juan, Laucher als Zerline. Früh zum Grafen, arbeitete den ganzen Tag. Therese erhielt von Salieri einen Zettel, worin er ihr avisierte, die Frank ist besser und singt. Mittags waren Mayer und Pepi unsere Gäste. Nach Tisch bis 5 h zum Grafen, dann zum Riedl, wo reisende Schauspieler, unter anderen Weninger (?) und Frau waren. Ich unterhielt mich da bis 6 h, dann ins Kärntnertor-Theater. Hunnius als Don Juan fiel ganz durch, nach seiner Arie wurde sogar gezischt. Die Laucher gefiel, wurde am Ende, obwohl etwas mühsam, hervorgerufen und dankte in den gewöhnlichen Ausdrücken. Ihr Anzug in rosafarbenem Taffet mit pucefarbenen Bändern, und der Schnitt waren sehr unglücklich. Therese sang meisterhaft und erhielt verdienten Beifall. Band 05 (V.), Seite 3v  
2407 1804 MAR 6 Tauwetter. In allen Straßen schwimmt es, es ist sehr schlimm zu gehen. Den Nachmittag wie gestern, mittags allein. Theresen brachte der Portier der Cavriani ein von Nina gestricktes Kinderrockerl samt Haube. Nach Mittag arbeitete ich, Therese blieb den Nachmittag und Abend zu Haus. Nach Tisch kamen Salieri, Töpfer und Werlen, dem gab ich das Gespräch „Der gestörte Abschied“ von Collin, samt der Schlussrede zum Abschreiben mit. Später ging ich zu Schuhmann (?), Brandl, Richart, dann ins Kärntnertor-Theater, 3. Stock, „Aline, Königin von Golkonda", Oper in 3 Akten aus dem Französischen nach Vial und Favier von Treitschke, Dekor von Sacchetti und Platzer. Havermehl (?) trat als Zerermonienmeister Usbek auf, wurde aber seiner Unbedeutenheit wegen nicht einmal im Zettel angemerkt. Er kommt von Stuttgart. Nadastini brachte uns die kleine Pièce von Gewey, welche am Faschingdienstag bei Hofe gegeben wurde, ein Quodlibet. Havermehl sang im 1. Akt gleich anfangs eine Arie, mit der er ganz durchfiel und bei einer Passage totaliter ausgelacht wurde. Am meisten gefiel das Duett im 2. Akt von Vogl und der Laucher, welches Umlauf komponierte. Die Arie der Saal – neu, vom Weigl – während welcher sie ihren Unterrock verlor und vor dem Publikum auszog, machte nicht viel. Das Spektakel und die Schlussdekoration gefielen, die Musik nicht. Im Ganzen machte die Oper kein besonderes Glück. Ich traf Mussini und Lang, hinter mir waren Nic[colò ?]. Angiolini und Virginia (?), und seine Frau, die Fortunata, welche abgeschafft ist, und in ein paar Monaten, wenn sie von Gallet (?) gelernt hat, nach Florenz reisen wird. Salvatore Viganò reiste als Tänzer mit einer Scrittura von 1000 fl. auf 6 Wochen nach Mailand. Nach dem Theater gleich ins Bett. Bei Therese war den Abend die Gabrieli. Band 05 (V.), Seite 17v  
2443 1804 APR 11 Den ganzen Tag trübe, abends Regen. Den Nachmittag wie sonst. Mittag speisten die Töpfer und Eckhart bei uns. Richart kaufte für Therese 11 Ellen trappfarbenen Taffett zu einem Oberrock, und 15 Ellen Bänder zum Garnieren. Ich arbeitete den ganzen Tag wegen den Ácser Juden. Um 4 h hatten wir wegen Einlegung der umgeschriebenen Obligationen kleine Sitzung, dann zu Liebisch, den ich nicht fand, dann zu Kárner und mit ihm ins Kärntnertor-Theater, zum 1. Mal „Kosakenoffizier“, Oper in 1 Akt aus dem Französischen, worin die Laucher als Primadonna nicht einmal im Reden verständlich war. Weinmüller als russischer General sah aus, wie er nicht aussehen sollte. Die Oper machte gar kein Glück, sie war am Ende zweifelhaft, ob sie ausgezischt wurde. Das Klatschen und Zischen war gleich stark. Nachher Pas de deux von Giulio Viganò und Frau. Nach der Oper mit Lang soupieren. Braun hat 2mal nacheinander das Unglück gehabt, mit seinen Produkten zu fallen. Therese blieb den Abend allein und unterhielt sich mit Arbeiten. Band 05 (V.), Seite 22r  
2459 1804 APR 27 Ein schöner Tag. Den Nachmittag bei Richart, beim Grafen, Brandl, dann nach Hause. Richart bereute gleich einem von Bosheit ganz angesteckten Heuchler seine Schurkereien und gibt in keinem Falle zu, dass sie allein ihr Zimmer nehme, unter dem Vorwand, es sei seiner Ehre und seinem Dienste nachteilig. Mittags allein, wir schnitten das von meiner Mutter geschickte Nierenbratl an Nach Mittag arbeitete ich bis 5 h, dann zu Kárner. Bei Kárner erwarteten wir Franz Brandl vergebens; der eigensinnige Starrkopf verdirbt sich selbst. Kárner fuhr ins Theater an der Wien „Spiegel von Arkadien“, die Laucher und Renner spielen darin. Im Kärntnertor-Theater „Räuberhöhle“. Therese bekam Besuch von der Hitzinger, machte Toilette und spielte seit dem 5. März wieder zum ersten Mal. Ich ging ins Kärntnertor-Theater und fand es sehr leer, noch leerer war es aber im Burgtheater „Liebhaber und Nebenbuhler“. Anfangs plauderte ich im Parterre mit Denner und Frau, dann im 4. Stock mit Rucker, später kam Lang. Therese spielte mit vieler Laune und erhielt von dem kleinen Publikum großen Beifall. Nach dem Theater ins Bett. Band 05 (V.), Seite 24v  
2590 1804 SEP 5 Ein heiterer Tag. Fahrt nach Eisenstadt. Früh besuchte mich Wokurka, der mit mir wegen des Erblichkeits-Privilegiums der Posten Laxenburg, Wimpassing und Höflein sprach. Ich rangierte meine Sachen und erwartete Hilmer, mich abzuholen. Er kam mit dem Maschinisten Langreuter, wir holten im Taschnergassel noch eine Frau ab und kamen erst um 9 h voll bepackt und mit Binkeln beladen von Wien weg. In Wimpassing wurde gefuttert, Langreuter und ich aßen nur Eierspeis und weil wir so schlecht saßen, so gingen wir voraus. Erst beim Galgen holte uns der Wagen ein. Um ½ 5 h kamen wir in Eisenstadt an. Meine Mutter freute sich, mich zusehen. Ich suchte auszupacken, kramte meine Würste und Zichorien-Kaffee aus. Ich suchte Kárner im Schloss, er war aber schon weg. Ich fand ihn beim Kühnel, zusammen fuhren wir bis zum Tiergarten, dann gingen wir in die Probe von den „Beiden Füchsen“. Sie wurde ohne Fenzl (?) gemacht, der des Caché Rolle macht und erst heute von Baden kommt. Ich plauderte mit der Kühnel, Walch, beiden Prinster, Walther etc. Gleich gab mir der Riedl den Brief an mich vom Prinster. Der Fürst war auch einen Augenblick in der Probe. Kárner und ich hielten nicht aus, sondern begaben uns zu ihm, aßen Wiener Würstel und tranken Bier. Ich repetierte mit ihm den Bürgermeister. Dazu kam Grundemann, ich war da bis ½ 11 h. Am ersten sah ich die [Laucher ?] vorbei gehen, ich grüßte sie vom Fenster. Mit ihr scheint niemand viel zu machen und ist sie samt Schwester im Engel-Wirtshaus logiert; nicht viel Ehre für eine Sängerin im k.k. Theater. Ich schlief im Zimmer bei meiner Mutter und recht gut. Band 05 (V.), Seite 40r  
2592 1804 SEP 7 In Eisenstadt. Ein heiterer Tag, nur früh war ein Nebel. Um ½ 7 h früh kamen des Kárner seine Langschweif (?), ich holte die [?, Name fehlt] ab, nahm auch Fenzl mit, fuhren zur Batterie mit 12 Kanonen, im Wald über den Leithaberg. Im Garten stiegen wir aus, ging mit ihnen ins Feuerwerks-Depositorium und auf den Turm. Die Mädchen hatten Kantaten-Probe, ich ging nach Hause frühstücken, schrieb für Kárner, ging zu ihm. Ließ mich da frisieren, dann nach Hause zum Speisen. Nach Tische zu Kárner, wo ich Theaterbilletts erhielt, die ich auszuteilen begann. Abends war im kleinen Saale Musik, anfangs eine kleine Symphonie von Mozart, dann von Hummel ein Doppelkonzert auf Pianoforte und Violine, von ihm und Luigi (?) gespielt, zum Schluss seine Kantate, in welcher der lederne Tenorist Greiller (?), und die beiden mit Rotter sangen. Vor der Musik sprachen Propst Pointner, Kárner und ich den Grafen, der eben ankam. Die Laucherschen führte ich nach Tische zu Polzelli, wo sie von ihm ein Horn-Konzert hörten. Band 05 (V.), Seite 40v  
2595 1804 SEP 10 In Eisenstadt. Warm, in der Lustmaiss. Früh schrieb ich Therese durch den Bedienten Franz, und gab ihm den Auftrag, von der Jagd 4 Hasen und 8 Rebhühner gleich wegzunehmen. Dann zum Grafen, dem ich Pferde bestellte, um gleich von der Jagd wegfahren zu können. Später zu Kárner, wo ich lange war, zu den Laucherschen, die ich engagierte, mit mir nach Tische auf eine Jause nach Müllendorf zu fahren. Hummel hatte sie zwar schon engagiert, mit dem unseligen Tenoristen und seiner Mutter auszufahren, er würde vorreiten. Sie sagten‘s ihm aber ab. Von da zum Prinster, wo sich der Hornist Mackowitz (?) mit seinem Sohn hören ließ. Fuchs war da, mit ihm plauderte ich eine Stunde. Um ½ 1 h zur Csekonics speisen, wir waren allein. Nach Tisch schlief ich eine Stunde. Um 3 h kam Kárners Wagen mit den Engelländern zum Engel. Hummel, der mit den Laucherschen nochmals zankte und sie durchaus mit sich haben wollte, nahm seine Zuflucht zum Paul, um zu verstehen, wohin wir fuhren. Dies war die Ursache, dass die Pferde nicht ruhig standen und die Stange abschlugen. Hummel saß schon zu Pferde, auch des Engel-Wirts Wagen war bereit. Nun kam Vadász, diesen schickte ich zurück in den Stall um einen anderen Wagen, und sagte ihm, er möchte gleich beim eisernen Gitter über die Weingärten fahren. Ich führte die Mädchen aber beim Steinbruch vorbei über die Stierwiese auf den Höfleiner Weg. Vadász kam bald nach, wir fuhren über die Wiesen und Felder bis nach Wulkaprodersdorf, von da auf der Straße nach Müllendorf. Hier stand schon Wagen und Pferde von dem fatalen und dummdreisten Hummel. Rohrweck und Frau warteten unser im Keller. Wir gingen hinein und hörten, dass Hummel schon bei Rosenitsch bei einer Bouteille sitze und sich sehr keck betrage. Zusammen gingen wir gleich zum Pfarrer, ließen beim Rosenitsch Hendl backen, und als sie aufgetragen wurden, erschien Hummel mit seiner Mutter und Greiller, setzten sich zu uns und aßen und tranken um den Vorzug, welche Keckheit ! Ich war sehr höflich, doch er voller Zorn, doch wagte er nichts zu sagen. Rohrweck fuhr um ½ 6 h nach Wien, wir besuchten noch einen Augenblick die Rosenitsch – er ist in Wien – und fuhren dann im Galopp zurück. Hummel wollte sich forcieren, ritt vor, konnte das Pferd nicht erhalten. Es nahm Reißaus, er hielt sich im Sattel und saß wie angepappt. Welch ein unsinniger Mensch ! Ich habe nie einen schlechteren Reiter gesehen. Er macht sich vor allen Menschen lächerlich, verächtlich ist er ohnehin schon. Wir waren in 20 Minuten in der Stadt. Vadász und ich gingen in das Schloss, schickten den Laucherschen einen Wagen, waren im Saal, sahen noch ein Stück Probe, dann begann die Symphonie. [ ?, Name fehlt] ließ sich auf dem Baryton hören, ein gewisser Weissgerber (?) blies ein Klarinetten-Konzert, Hummel phantasierte, zum Schluss eine Kantate, bei deren Anfang ich mit meiner Mutter nach Hause ging. Im Saal fand ich Kárner. Da mich schon seit 4 Tagen die [Laucher ?] quält, uber Baden nach Hause zu fahren, er fand den Plan nicht unmöglich, außerdem fahre ich mit Giáy. Kárner ging in den Saal um mit Canto zu reden. 20 Stück Bücheln von den „Beiden Füchsen“ teilte ich in den Tagen aus, auch von der Kantate. Band 05 (V.), Seite 41r  
2596 1804 SEP 11 In Eisenstadt. Ein angenehmer Tag, Aufführung der „Deutschen Kleinstädter“ von Damen und Cavalieren. Früh schrieb ich ein paar Stunden, dann ging ich zu Kárner um mit ihm wegen meiner Abreise zu reden, auch machte ich da Toilette. Den Laucherschen kaufte ich auf dem Berg Marienbilder, und meiner Mutter einen neuen Kalender. Später zu Stessel in die Kasse. Mittags hatte ich schon vor 5 Tagen den Vadász beim Pregler (?) zum Speisen engagiert, und bei Ringer sollte ich speisen, weil morgen sein Schwager abreist. Mit Kárner passierte ich seine Rolle und debattierte mit ihm, um die morgen über Baden nach Wien zu führen. Ich nahm des Carl Till (?) seinen Wagen. Kárner gab mir auf die Fuhr und Mittagmahl noch 20 fl. Nach Tische schrieb ich Therese ein paar Zeilen, und dass Vadász in der Nacht ankommen und bei uns schlafen wird. Später besuchte ich Ringer und nahm von Pointner auch Abschied. Dann zu Kárner, mit den Laucherschen zu Oberauer (?) in den Garten, wo wir sie mit gebratenen Hendeln bedienten. Im Garten waren auch noch Burgerth und Heyssan. Dann ins Theater um die Vorstellung zu sehen, außer Fischer spielte alles ziemlich gut. Nach dem Theater verabredeten wir noch mit Laucher unsere Abreise, um Hummel ja nichts merken zu lassen. Ich ging zu Kárner, da war Ernst (?), wir tranken Champagner. Ich beurlaubte mich und wir gingen um 12 h voneinander. Band 05 (V.), Seite 41v  
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